Michael Chalupka meint, Luther würde heute Maske tragen

 

Es ist mühsam. Wir müssen mit dem Virus leben, auf längere Sicht. Für uns ist das ungewohnt. Für die Menschen, die vor uns gelebt haben, haben Pandemien zum Alltag gehört. Der Reformator Martin Luther hat im 16. Jahrhundert mehrere Pest-Epidemien erlebt und überlebt. Auch er hat sich nicht in sein Schicksal ergeben. Angesichts der Pest 1527 in Wittenberg schreibt er: „So will ich zu Gott bitten, dass er uns gnädig sei und es abwehre. Danach will ich auch räuchern, die Luft reinigen helfen, Arzneien geben und nehmen, Orte und Personen meiden, wenn man mich nicht braucht, damit ich mich selber nicht vernachlässige und dazu durch mich viele andere vergiftet und angesteckt werden und ihnen so durch meine Nachlässigkeit eine Ursache des Todes entsteht.“ Heutzutage gibt es bessere Arzneien. Wir wissen mehr über Bakterien und Viren. Die Pest ist besiegt, aber COVID-19 ist aktuell eine Bedrohung. Was bleibt, ist die Verantwortung für sich selbst und den Nächsten. Und es bleibt die Aufgabe, das Leben weiter zu leben – in körperlicher Distanz, aber in sozialer Verbundenheit, indem wir aufeinander schauen. Martin Luther schreibt auch nichts vom Zwang, sondern von Verhaltensweisen, die einfach vernünftig sind und die er sich selbst freiwillig auferlegt und anderen rät. Auch sein Glaube steht dazu nicht im Widerspruch. Gebet und Vernunft gehören zusammen. Luther würde heute Maske tragen.

Quelle:  https://evang.at/keine-nachlaessigkeit/

 


Ein schönes und frohes Pfingstfest!

Taube, Wind, Feuer... Bilder um unsere Phantasie zu beflügeln. Hilfsmittel, um uns die Kraft vorzustellen, die von Gott kommt und in uns ist. Mit dieser Kraft der Liebe wirkt Gott durch uns an anderen. Sie führt weiter, was Jesus begonnen hat. Sie vereint und führt Menschen zueinander. Sie tröstet und richtet auf. Sie ist unsere größte Begabung...

 

Heiliger Geist,

du, unsere Begabung,

flackere über unseren Köpfen

mach unsere Gesichter hell

gib unseren Gedanken Flügel

Heiliger Geist,

komm jetzt zu uns

fließ durch das, was unser Leben dunkel macht

schweb über dem, was uns traurig macht

heile

füll die Welt mit deinen Möglichkeiten

schneid ab, was ans Falsche bindet

web ein neues Muster zwischen die Fäden unseres Lebens

bau einen Weg aus der Einsamkeit zum Miteinander

entfache Leidenschaft für Gerechtigkeit und Frieden

Heiliger Geist,

füll Hoffnung in unsere Herzen

mach unsere Nerven stark mit Frieden

tröste uns mit Liebe

(Gebet nach Johannes Goldenstein)

 

SIYAHAMBA - We are walking in the light of God

https://www.youtube.com/watch?v=Fi-zd2k8wgQ


Mit dem Herzen sehen... In einem meiner Lieblingsbücher steht der Satz: Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Mit dem Herzen sehen... Kann man wirklich mit dem Herzen sehen? Physikalisch betrachtet ist das Herz eine Druck-Saug-Pumpe, die das Blut durch den Körper treibt. Aber für uns ist unser Herzschlag, den wir wahrnehmen, das deutlichste Zeichen dafür, dass wir am Leben sind. Wir spüren unser Herz. Es kann höher schlagen, schneller oder sich beruhigen. Es kann traurig sein oder fröhlich. Es kann vor Schreck fast still stehen. Ich kann mein Herz verlieren und wiederfinden. Medizinisch gesehen ist das Herz ein Muskel, vielleicht der wichtigste, den der menschliche Körper hat. Und die vielen Bedeutungen, die das Wort Herz außer dieser medizinischen noch hat, haben damit zu tun, dass es so wichtig ist. Deshalb steht es als wichtigstes Organ stellvertretend für unser Innerstes, für unsere Ganzheit. Wenn ich auf meinen Herzschlag höre, meinen Puls fühle, kann ich mit meinen Sinnen mich selber, mein Leben bewusst wahrnehmen. Ich bin bei mir... Und genauso, wie ich bei mir sein kann, bei meinem Herzen, meinem Innersten, kann ich mich öffnen, mein Innerstes aufmachen. Ich kann andere Menschen in mein Herz schließen. Ich kann auch - wenn ich traurig bin - mein Herz vor anderen ausschütten. Und ich kann versuchen, mit dem Herzen zu sehen... Jesus lädt uns ein, mit ihm durch die Welt zu gehen und die Welt und die Menschen mit dem Herzen anzusehen. Unsere Herzen zu öffnen für die Sorgen unserer Mitmenschen und für die Liebe Gottes. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Jesus sagt: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.   Markus 12,29-31


Zeitreise: heute vor 235 Jahren in Mörbisch – Pfingstsonntag, der 15.Mai 1785

Seit Anfang Mai war wieder ein evangelischer Pfarrer da – endlich! Das Toleranzpatent war schließlich schon dreieinhalb Jahre her. Aber auch Lockerungen ziehen organisatorische Fragen und Mühen nach sich und können nicht sofort umgesetzt werden. Heute, am Pfingstsonntag, dem 15.5.1785 wird zum ersten Mal seit Jänner 1674 wieder ein evangelischer Gottesdienst in Mörbisch gefeiert. Nach über 110 Jahren - vier Generationen mussten darauf warten!!!

 

Kirche ist noch keine vorhanden. Sie wird erst nach dem Bau einer Schule sieben Jahre später (1792) als Bethaus gebaut werden. So feiert die Gemeinde mit dem neuen Pfarrer einfach in einer Scheune den ersten Gottesdienst   ( - da, wo jetzt der Alsenpark ist).* Der 15.Mai 1785 ist der Gründungstag unserer Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Mörbisch am See.

 

Ein Relief in unserer Kirche, gestaltet von Herrn Schneeberger und der Gemeinde zum 200. Jubiläum der Gemeindegründung geschenkt, erinnert an diesen Gründungstag. Wir sehen die Scheune und die heutige Kirche. Wir sehen zwei Frauen in Tracht, die in die Scheune gehen um Gottesdienst zu feiern. Die Sonne scheint und der Wein wächst. Möge Gott unsere Pfarrgemeinde auch weiterhin mit seinem Segen begleiten!

Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Joh 15/5

Und er sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Joh 8/12

Unser rotes Altartuch legt diese beiden Worte von Jesus aus – Licht und Sonne, Weinstöcke, Reben, Ranken, Früchte...Wenn man sich die Reben und die Ranken genau anschaut, erkennt man, dass zwei Ranken in der Mitte sich jeweils an einem Lichtstrahl festhalten, festklammern. Sie ziehen sich an dem Lichtstrahl empor. So sind die Reben auf dem Tuch doppelt verbunden mit Jesus. Mit Jesus, dem Weinstock und mit Jesus dem Licht der Welt. Auf kunstvolle Weise wird deutlich: Jesus, seine Liebe ist das, was uns trägt und wonach wir uns ausstrecken. Seine Liebe ist es, die uns Kraftschenkt, an der wir uns aufrichten können, an die wir uns klammern können. Von der wir abhängen und an der wir hängen. Oft freuen wir uns und jubeln und zu anderen Zeiten sind wir traurig und seufzen – beides gehört zu unserem Leben. Beides thematisiert der heutige Sonntag mit seinem lateinischen Namen Jubilate – Jubelt! Jesus verheißt seinen Jüngern, dass er ihre Traurigkeit in Freudeverwandeln will.

Dazu Musik von Johann Sebastian Bach (Kantate Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen BWV 146/1). In dieser Aufnahme hören und sehen wir Norbert Zeilberger  – wenige Monate bevor er 2012 gestorben ist. Viele von uns werden sich dankbar an die schöne Musik erinnern, mit der er uns in so vielen Gottesdiensten beschenkt hat.

https://www.youtube.com/watch?v=ZZTBn82eowc

Eine "traurige“ Tonart und doch so unglaubliche lebendige Musik. Ich höre die Mühen und Schwierigkeiten des Lebens. Aber immer wieder scheint der Vorhangaufzugehen und einen Blick freizugeben auf eine andere freundliche und friedliche Welt.

 

Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf

Mitten am Tage

Mit unserem lebendigen Haar

Mit unserer atmenden Haut

Nur das Gewohnte ist um uns.

Keine Fata Morgana von Palmen

Mit weidenden Löwen

Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken

Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht

Und dennoch unverwundbar

Geordnet in geheimnisvolle Ordnung

Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

(Marie Luise Kaschnitz 1901-1974)


Vielen Dank, Angelina, für die Interpretation unseres Altarbildes und den Text! Es ist ein schönes Geschenk!!!

"Welche Bedeutungen die Zeichnung für mich hat.
Zuerst die einzelnen Farben:
Rot: Leben, Orange: Heilung, Gelb: Sonnenschein/ Glücklichkeit, Grün: Natur, Blau: Harmonie/Klarheit, Violett: Spiritualität, Geist, Seele.

Biblische Bedeutung: Gottes Versprechen an die Menschen, die Erde mit allem, was darauf lebt, nicht mehr mit einer Sintflut zu bestrafen.
„Und der Bogen wird in den Wolken sein; und ich werde ihn ansehen, um zu gedenken des ewigen Bundes zwischen Gott und jedem lebendigen Wesen von allem Fleisch, das auf der Erde ist“

Andere Bedeutung: Die Regenbogenflagge repräsentiert Solidarität, Stolz, Akzeptanz, Frieden und Veränderung. Sie steht auch für den selbstbewussten und damit stolzem Umgang mit der eigenen sexuellen Identität.

Gott liebt dich, unabhängig von deinen ethnischen Hintergründen, deiner sexuellen Identität und deinem Geschlecht." Angelina Lang

 


Lebens Sonne, Licht der Sinnen,
Herr, der du mein alles bist!
Du wirst meine Treue sehen
Und den Glauben nicht verschmähen,
Der noch schwach und furchtsam ist.

JSBach, Kantate BWV 180/5

Heute schicke ich Euch zwei Sonnen aus unserer Kirche
und eine aus dem Pfarrgarten.
Die Sonne, die jeden Morgen aufgeht...
Mit ihr erinnert uns Gott jeden Tag daran:
Das Leben ist stärker als der Tod.
Das Licht ist stärker als die Finsternis.
Und die Liebe ist stärker als der Hass.
Jeden Morgen bekommen wir ein kleines Auferstehungswunder geschenkt!

Dazu Sonnenmusik wirklich sehr unterschiedlicher Art!

https://youtu.be/G79sOzAQBkU?t=1 -- Sonnenmusik 1

https://youtu.be/WRDxpmV27p8 -- Sonnenmusik 2


 

Im Morgenlicht:
das Paul Gerhardt gewidmete Fenster
unserer Kirche.

Sprich Ja zu meinen Taten,
hilf selbst das Beste raten;
den Anfang, Mitt und Ende,
ach Herr, zum besten wende.

Mich segne, mich behüte,
mein Herz sei deine Hütte,
dein Wort sei meine Speise,
bis ich zum Himmel reise.

Evangelisches Gesangbuch 446/8-9

 


Ich sehe Gott nicht von Angesicht zu Angesicht,
wie Mose ihn sah.
Aber ich bin glücklich,
dass Gott mich in meinem Elend sieht und mir hilft.

Ich höre die Stimme Christi nicht,
wie Paulus sie auf der Straße nach Damaskus hörte.
Aber ich bin glücklich,
dass Christus mein Gebet erhört.

Ich berühre den Leib Christi nicht,
wie Thomas ihn berührte.
Aber ich bin glücklich,
dass Christus meine Hände hält und mich führt.

Ich weiß nicht so viel vom Wirken des Heiligen Geistes,
wie die Heiligen es wissen.

Aber ich bin glücklich,
dass der Heilige Geist mein Herz bewegt,
Jesus Christus zu bezeugen
und meinen Nächsten zu lieben.

Ich verstehe nicht alle Geheimnisse der Dreieinigkeit,
wie Jesus sie verstand.
Aber ich bin glücklich,
dass Gott meinen armen Glauben versteht
und ihn annimmt.

Lieber Herr,
gib mir geistliche Augen,
all das zu sehen, was du getan hast.
Gib mir geistliche Ohren,
alles zu hören, was du mir sagst.
Gib mir das geistliche Gespür,
zu fühlen, wie weise du mich leitest.
Gib mir geistliche Erkenntnis,
deine Liebe und deine Gerechtigkeit zu begreifen.
Gib mir Geistlichkeit,
damit ich ein vollkommener Mensch werde.

Gebet nach Johnson Gnanabaranam:
Mein Jesus, mache mich neu. Erlangen 1986

Bild:
Buchmalerei aus der 'Devotionale Abbatis Ulrici Rösch': Christus erscheint dem Thomas, um 1472 (?), in der Stiftsbibliothek in St. Gallen

 


… Wer den klang unserer orgel hören möchte - Aufnahme von orgel ohne grenzen 2018


Zuversicht
Zuversicht haben heißt, dass wir ohne Angst und deshalb frei noch vorne schauen können. Zuversicht haben heißt, dass wir Unvorhergesehenes, Unvorhersehbares nicht zu fürchten brauchen. Zuversicht haben heißt, dass wir offen sind für die Zukunft, offen für das Leben mit seinen Überraschungen.

Jesus lebt! Ich bin gewiss,
nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
Dies ist meine Zuversicht.

Christian Fürchtegott Gellert 1757 -- Evangelisches Gesangbuch Nr. 115/5

Ostern bedeutet, dass Jesus nicht im Dunkel des Todes geblieben ist und wir auch leben sollen. Ostern hat seine Bedeutung nicht darin, einfach nur geglaubt zu werden, sondern es will uns beschenken: mit Lebensfreude, mit Mut, mit Zuversicht.
Zuversicht, Vertrauen: Nichts kann uns von Jesus scheiden. Keine Macht der Finsternis, kein Leiden auch keine Herrlichkeit. Gottes Treue, seine Liebe gilt für alle Höhen und Tiefen unseres Leben. Gott will bei uns sein in den schönen, hellen Momenten unseres Lebens, aber auch da, wo es uns schlecht geht, wo wir verzweifelt sind.

Gott ist stärker als der Tod und alles, was den Tod bringt. Unser Altarbild von Gerhard Gloser aus dem Jahr 1976 zeigt das mit seinen hellen Farben. Und mit welchem Schwung steigt Jesus aus dem Grab! Die Tücher, in die er eingewickelt war, verdrehen sich. Sie fallen von ihm ab. Sie betonen die Bewegung, die Jesus macht: aus dem aus dem Grab ans Licht, aus dem Tod ins Leben.
Wer möchte kann sich das genauer anschauen – in unserer Kirche oder unter https://www.moerbischlutherisch.at/unser-altarbild-diashow…/
Die schönen Fotos verdanken wir Sabine Sommer Landauer.

 


O große Not
Gott selbst liegt tot.
Am Kreuz ist er gestorben,
hat dadurch das Himmelreich
uns aus Lieb erworben.

Johann Rist 1642

Eine Strophe aus einem „kläglichen Grablied über das traurige Begräbnis unseres Heilandes Jesus Christus am stillen Freitag“ – wie der Dichter sein Lied nennt.

Gott selbst liegt tot... Das ist die Karfreitagsbotschaft in ganz zugespitzter Form. Fast nicht auszuhalten. Atheismus in einem Kirchenlied? Herausgeber von Gesangbüchern haben diese Zeile abgemildert – früher und heute – siehe unser Gesangbuch Nr. 80/2.
Gott selbst liegt tot... Ein Gott ist das, der sich aufs Menschsein und Leiden einlässt – bis zum Geht-nicht-mehr. Bis zum Ende. Ohne Sterben keine Überwindung des Todes. Ohne Karfreitag kein Ostern. Ohne „Gott selbst liegt tot“ – kein Christentum.

Er schwitzt blut
darum sagt er
wein nicht

Er wird aufgegeben
darum sagt er
gib nicht auf

Er wird verkauft
darum sagt er
rechne nicht aus

Er wird verurteilt
für seine sache den himmel
darum sagt er
sieh hin die erde

Er fürchtet sich
vor gestern vor heute vor mir vor denen
darum sagt er
fürchte dich nicht

Dorothee Sölle 1969

Unser Altarkreuz zeigt einen Totenkopf mit Knochen: Am Kreuz trägt Jesus all das Traurige, das zum Menschsein dazugehört – unser Verletzen und Verletztsein, unsere Schuld und unsere Ohnmacht, unser ewiges Verlorengehen durch den Tod.

Und doch haben wir eine Perspektive:
Der dritte Tag wird kommen, der Tag, an dem das Leben siegt...
Freuen wir uns auf Ostern!!!

 


Gründonnerstag – Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls. Tut dies zu meinem Gedächtnis!, sagt Jesus.
Teilt Brot und Wein.

Brot und Wein. Die Bilder stammen vom österreichisch-ungarischen Konfirmanden-Treffen 2019 in Mörbisch.
Da haben wir gemeinsam Brot gebacken und in der Andacht Abendmahl gefeiert.
Es ist schön, dass wir in unseren Gottesdiensten regelmäßig das Abendmahl feiern. Wir sind dann eine Tischgemeinschaft, die – zumindest “ein bisschen” miteinander isst und trinkt.
Und Jesus ist bei uns in Brot und Wein.

Manchen fehlt die Nähe zu Jesus und auch die Nähe untereinander, die beim Abendmahl feiern entsteht.
Gerade jetzt, zu den großen Feiertagen.

Die Strophe eines alten Liedes erzählt von der Sehnsucht nach dem Abendmahl (EG 218/2). Die Sprache – es ist die Sprache vergangener Zeiten. Und doch sprechen mich die Worte an – gerade jetzt. Und ich verstehe sie auf eine neue Weise.

Ach, wie hungert mein Gemüte,
Menschenfreund, nach deiner Güte!
Ach, wie pfleg' ich oft mit Tränen
mich nach deiner Kost zu sehnen!
Ach, wie pfleget mich zu dürsten
nach dem Trank des Lebensfürsten!
dass in diesem Brot und Weine
Christus sich mit mir vereine.

 


Heute am Palmsonntag grüße ich Euch aus unserer Kirche. In dieser Woche denken wir intensiv an Leiden und Auferstehung Jesu. Vielleicht auf andere Weise - ohne die Gottesdienste, die vielen Menschen fehlen. Aber mit dem veränderten Blick auf Leiden, Krankheit und Tod, mit einer neuen Achtung für die alltäglichen Dinge, die uns glücklich machen und alle nicht selbstverständlich sind, sondern Geschenk: Nähe, Freundschaften, Gemeinschaft und Gesundheit.
Ich freue mich auf Ostern und auch auf die Zeit, in der wir anderen wieder näher kommen können. Ich wünsche Euch Gesundheit und Gottes Segen!

Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nicht,
das macht er ist gericht:
Ein Wörtlein kann ihn fällen.

Martin Luther, Ein feste Burg, Strophe 3

 


Für alles gibt es eine Stunde,
und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel:
Zeit zum Gebären und Zeit zum Sterben,
Zeit zum Pflanzen und Zeit zum Ausreißen des Gepflanzten,
Zeit zum Töten und Zeit zum Heilen,
Zeit zum Einreißen und Zeit zum Aufbauen,
Zeit zum Weinen und Zeit zum Lachen,
Zeit des Klagens und Zeit des Tanzens,
Zeit, Steine zu werfen, und Zeit, Steine zu sammeln,
Zeit, sich zu umarmen,
und Zeit, sich aus der Umarmung zu lösen,
Zeit zum Suchen und Zeit zum Verlieren,
Zeit zum Bewahren und Zeit zum Wegwerfen,
Zeit zum Zerreißen und Zeit zum Nähen,
Zeit zum Schweigen und Zeit zum Reden,
Zeit zum Lieben und Zeit zum Hassen,
Zeit des Kriegs und Zeit des Friedens.
Welchen Gewinn hat, wer etwas tut,
davon, dass er sich abmüht?

Ich sah, was Gott den Menschen zu tun überlassen hat.
Alles hat er so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit.
Auch die ferne Zeit hat er den Menschen ins Herz gelegt,
nur dass der Mensch das Werk, das Gott gemacht hat,
nicht von Anfang bis Ende begreifen kann.
Ich erkannte, dass sie nichts Besseres zustande bringen,
als sich zu freuen und Gutes zu tun im Leben.
Und wenn irgendein Mensch bei all seiner Mühe isst und trinkt und Gutes genießt, ist auch dies ein Geschenk Gottes.
Ich erkannte, dass alles, was Gott schafft, endgültig ist.
Nichts ist ihm hinzuzufügen, und nichts ist davon wegzunehmen. Und Gott hat es so gemacht, dass man sich vor ihm fürchtet.
Was einmal geschah, ist längst wieder geschehen,
und was geschehen wird, ist längst schon geschehen.
Gott aber sucht, was verloren ging.

Die Bibel/Buch Prediger/Kapitel 3

 


Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43/1)

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,
einen Moment nach dem anderen zu genießen.
Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren,
sie anzunehmen, wie Jesus es tat:
diese sündige Welt, wie sie ist,
und nicht, wie ich sie gern hätte,
zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
und im nächsten Leben für immer überglücklich. Amen.

-- ein Gebet von Reinhold Niebuhr (1892-1971)


Der Storch unter dem Himmel
weiß seine Zeit
Turteltaube, Schwalbe und Drossel
halten die Zeit ein,
in der sie wiederkommen sollen;
aber mein Volk
will das Recht des HERRN
nicht wissen.
Jeremia 8/7



Ein Gebet von Dietrich Bonhoeffer

 

Gott, zu dir rufe ich -
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.
Vater im Himmel,
 

 

Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht
Lob und Dank sei dir für den neuen Tag
Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue
in meinem vergangenen Leben.
Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen. Amen 


Es ist ein winzig Menschenkind

in unsre Welt geboren,

so freut euch, denn Gott hat die Lust

an uns noch nicht verloren.

 

Es kommt ein Kind mit kleinem Schritt

in unsere Welt gegangen,

und wieder wird ein altes Lied

von vorne angefangen.

 

Es wächst ein Kind mit jedem Tag

und wird nicht müd’ zu schauen,

es fragt uns, wie viel Sterne sind

und schenkt uns sein Vertrauen.

 

Es greift ein Kind nach unsrer Hand

im Weinen und im Lachen,

in einem Kind sprach Gott sein Wort,

das will uns selig machen.

 

 Lother Zenetti 



GOTT,

du kamst nicht in einem tank,

wurdest nicht in einer bank geboren

die alten wunderwaffen

die blitze und donner und himmlischen heere

gabst du einseitig auf

die paläste die könige und die soldaten

waren nicht dein mittel als du

unilateral

anfingst ein Mensch zu werden

das ist ohne rüstung zu leben

 

Dorothee Sölle 



Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich wohl versorgen. Psalm 55/23

 

Es ist ein großes und schönes Geschenk, dass wir unsere Sorgen und Probleme, unsere Anliegen, alles, was wir auf dem Herzen haben, Gott sagen können. Unsere Anliegen auf ihn werfen, wie es der Psalm sagt. Alles, was uns bewegt – wir können es bedenken, wir können es Gott sagen, wir können es auf ihn werfen – das heißt, wir können es ein Stück loslassen, es aus der Hand geben. Und darauf vertrauen, dass Gott uns hilft. Dass er das schafft, was wir nicht schaffen können oder uns nicht zutrauen.

 

So vieles gibt es, was uns Sorgen macht: Ob wir den Anforderungen in der Schule oder am Arbeitsplatz gerecht werden. Ob wir uns mit unseren Freundinnen und Freunden gut verstehen. Ob unsere Beziehungen tragen und halten, unsere Ehen und Partnerschaften, unsere Beziehungen zu unseren Kindern und Eltern. Ob wir es schaffen, mit Krankheiten, mit Leiden und Verlusten fertig zu werden und mit den Abschieden in unserem Leben.

 

Die Sorgen, die wir uns machen, helfen uns oft nicht. Wenn sie uns zu sehr bedrücken, finden wir nur schwer aus ihnen heraus. Jeden Morgen die Seufzer. Und unser Leid scheint immer größer zu werden. Ein Teufelskreis. Die Traurigkeit ist wie ein Sog, der uns gefangen nimmt. Und alles wird noch schlimmer.

 

Was uns hilft, ist loszulassen. Wir können Gott unsere Sorgen erzählen, sie vor ihn bringen, sie auf ihn werfen. Wir können sie aus der Hand geben und Gott walten lassen. Gott walten lassen – ihn schalten und walten lassen, ihn machen lassen.

 

Wir können loslassen im Vertrauen darauf, dass Gott sich unserer Sache annimmt. Wir sind ihm wichtig, er hat uns sich ausgesucht, jeden und jede, er hat uns sich auserwählt. Jeden Menschen auf dieser Erde. Und er weiß auch, was uns fehlt, einfach, weil er alles weiß.

 

Gott ist allwissend, aber nicht distanziert und gleichgültig. Er ist keine große himmlische Rechenmaschine oder Festplatte, auf der halt einfach alles gespeichert ist. Er ist allwissend und mitfühlend, allmächtig und gnädig. Er weiß, was uns fehlt. Er wird uns nicht im Stich lassen. Wir können unsere Sorgen aus der Hand geben und sie ihm anvertrauen.

 

Joachim Grössing



Ostern - das Leben ist nicht totzukriegen

 

Wir alle kennen Ostererfahrungen.

Ostererfahrungen sind Augenblickerlebnisse - sie sind flüchtig.

Und doch ist eine Gewissheit da.

Wir wissen plötzlich, dass das Leben nicht totzukriegen ist.

Wir wissen es in diesem Augenblick.

Wir spüren Glück und Liebe. Wir fühlen uns lebendig.

Und für einen Moment sind wir uns ganz sicher.

Das beruhigt uns und freut uns.

Begegnungen mit dem Leben stecken an.

Sie schenken uns Optimismus.

Und manche solcher Augenblicke haben die Kraft, uns zu verändern.

Wir behalten sie. Behalten sie im Gedächtnis.

 

Maria aus Magdala ging zu den Jüngern und verkündete:

»Ich habe den Herrn gesehen!«

Und sie richtete ihnen aus, was er ihr aufgetragen hatte. Johannes 20,18

 

Die Bibel beschreibt nicht die Auferstehung selbst.

Sie erzählt Geschichten von Menschen,

die dem auferstandenen Jesus begegnet sind.

Diese Geschichten haben alle etwas Flüchtiges, Ungreifbares, Unbegreifliches.

Jesus erscheint und entzieht sich wieder.

Er wirkt verändert.

Selbst von den vertrautesten Menschen wird er nicht gleich erkannt.

Wenn er aber von seinen Freunden erkannt wird,

verschwindet er vor ihren Augen.

 

Das Johannesevangelium erzählt von Maria Magdalena.

Sie ist der erste Mensch, dem sich Jesus als Auferstandener zeigt.

Sie ist auf dem Weg zum Grab. Sie denkt an den Tod und nicht ans Leben.

Eingesponnen in ihre Trauer ist sie unfähig,

die Welt um sich herum wahrzunehmen.

Sie erkennt Jesus nicht.

 

Erst als der Auferstandene ihren Namen nennt, gehen ihr die Augen auf.

Sie erkennt.

In diesem Moment spürt und weiß sie:

das Leben ist stärker als der Tod.

Sie will den Augenblick festhalten, will Jesus festhalten.

Alles soll wieder so sein wie früher.

 

Aber Jesus sagt: "Rühr mich nicht an!"

Es gibt kein Zurück, nur ein Neu.

 

Ostererwachen - für einen Augenblick ist der Schleier gelüftet,

der gewoben ist aus unseren festen Vorstellungen.

Wir bleiben danach heilsam verwirrt.

 

Joachim Grössing  -  angeregt von http://www.klosterkirche.de/spirituelles-wissen/zeiten/hl-woche/ostersonntag.php




Du kommst mir nahe

mit deinem Rufen,  

ich hör dich weinen, weiß, du brauchst Hilfe. Du kommst mir nahe

mit deinem Rufen,

ich hör dich weinen,

ich helfe dir.

 

Ich seh´ dich liegen,

du siehst nicht gut aus, kannst dich nicht rühren und du hast Schmerzen. Es ist gefährlich

und auch so einsam

an diesem Ort hier kannst du nicht bleiben.

Erst nehm´ ich Wein

aus meiner Flasche, betupf´ die Wunden

und mach´ sie sauber. Das brennt ein bisschen doch bald vergeht es.

Ich geb´ mir Mühe

und bin behutsam.

 

Und dann das Öl drauf und gut verschmieren, das hilft beim Heilen

wie eine Salbe.

Jetzt nehm ich Tücher, die sind noch sauber, verbinde alles -

dann nichts wie weg hier.

Trink erst noch Wasser, das wird dich stärken. und dann versuch´ ich, dich aufzurichten.

Mein Esel trägt dich

zum nächsten Gasthaus, da bist du sicher,

kannst dich erholen.

 

Du kommst mir nahe

mit deinem Rufen,

ich hör dich weinen, weiß, du brauchst Hilfe. Du kommst mir nahe mit deinem Rufen,

ich hör dich weinen,

ich helfe dir.



(nahe kommen)

 

Was kommt uns nahe? Was lassen wir an uns heran? Wen lassen wir an uns heran? Wer kommt uns nahe? Wo ziehen wir Grenzen? Für wen ist unsere Liebe, unsere Solidarität bestimmt? Und wer gehört nicht mehr dazu? Wer steht außerhalb unserer Gemeinschaft? Wie ist ein gutes, helfendes Miteinander von Menschen möglich, in einer Gesellschaft, in einem Land, in der Welt überhaupt?

Solche Fragen betreffen nicht nur uns und unsere Gesellschaft heute.

Solche Fragen haben sich die Menschen immer schon gestellt. Jesus ist gefragt worden: Wer ist denn mein Nächster? - und er wurde das gefragt von einem religiös hoch motivierten und gebildeten Menschen. Wer ist denn mein Nächster? Hinter dieser Frage steckt die eine zweite unausgesprochene Frage. Wer ist denn eigentlich nicht mehr mein Nächster?

Eine Frage also nach den Grenzen von Liebe, Zuwendung, Solidarität...

Jesus antwortet auf diese Frage mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Mit der Geschichte von dem überfallenen Menschen, der halbtot in einer Schlucht liegt, an dem zwei religiöse Würdenträger achtlos vorübergehen. Und dem ausgerechnet ein Ausländer nahe kommt mit seiner Hilfe. Er zeigt mit diesem Beispiel, dass Liebe und Solidarität nicht teilbar und begrenzbar sind. Denn es ist gerade das Wesen der Liebe, Grenzen zu überwinden, andere Menschen aus der Ferne in die Nähe zu rücken. Sie sich nahe kommen zu lassen.

Die Liebe zu Gott und zu den Nächsten - immer bedeutet Liebe, sich nahe zu kommen, in ganz verschiedenen Zusammenhängen: als vorsichtige Annäherung von Feinden vielleicht, als Hilfe für jemanden, der zufällig unsere Wege kreuzt, und natürlich auch als körperliche Nähe in einer Partnerschaft. Und wo immer Menschen einander näher kommen oder nahe kommen, werden Grenzen überwunden. Manchmal sind wir hilfsbedürftige Nächste und manchmal helfende Samariter.

Wo Güte, wo Solidarität und Liebe sind, da ist Gott. Gott kommt uns nahe in Jesus Christus, als Hoffnung, als Trost, als Beispiel für liebendes Leben. Und er will, dass Menschen sich einender kommen, immer wieder neu.

Mit den Geschichten von Jesus vor Augen und im Herzen lässt es sich besser, fröhlicher, freudiger leben lässt. Weil Gott uns in Jesus nahe kommt und weil er uns näher zueinander führt.

 


KURT MARTI
KURT MARTI

Der Sämann. Relief auf dem Kanzelaltar der Evangelischen Kirche Mörbisch am See
Der Sämann. Relief auf dem Kanzelaltar der Evangelischen Kirche Mörbisch am See

Unser Kanzelaltar mit dem Relief, das die Geschichte vom Sämann zeigt - ein Rufzeichen in unserer Kirche. Ein Ruf sich immer wieder neu am Wort Gottes zu orientieren. Unser Bild zeigt vor allem gutes, fruchtbares, gepflügtes Land. Auf guten Boden soll das Wort Gottes fallen. In unsere Herzen, in eure Herzen wollen die Geschichten von Jesus, diese Liebesgeschichten von Gott und den Menschen. Geschichten, die wir kennen, die wir gehört haben, im Religionsunterricht, in den Gottesdiensten, im Konfirmandenunterricht, in den Bibelstunden. Geschichten sind das, die zum Leben helfen können. Die uns zeigen, wie wir mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen umgehen können.

Nehmen wir die Geschichte vom verlorenen Sohn.

Sie sagt uns: Gott liebt und bejaht uns. Er nimmt uns an wie liebevolle Eltern ihre Kinder annehmen. Er nimmt uns unsere Fehler und Umwege nicht übel. Er achtet die vielen positiven Möglichkeiten, die in uns, die in jedem und jeder von euch stecken. Eine Geschichte ist das, die uns zum Leben hilft, weil es unser Selbstwertgefühl und unsere Selbstachtung stärkt, wenn wir uns von Gott geliebt wissen. Eine Geschichte, die ihre Wahrheit erweist, wenn wir sie in unser Herz, in unser Leben aufnehmen, wenn wir an sie denken. Dann fällt sie bei uns auf guten Boden.

Nehmen wir die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

Sie zeigt uns einen halbtoten, auf Hilfe angewiesenen Mann. Sie lässt uns spüren, wie hart und zynisch es ist, dass Menschen ihn links liegen lassen, einfach an ihm vorübergehen. Und sie lässt uns aufatmen, weil schließlich einer kommt, ein Fremder, der ihm hilft, für ihn sorgt, ihm Liebe erweist. Einer, der ihm nahe kommt mit seiner Hilfe - der barmherzige Samariter. Auch eine Geschichte, die in unser Herz will. Immer, wenn uns jemand nahe kommt, uns jemand in einer Notlage hilft, wird sie wahr, diese Geschichte. Und genauso wird sie wahr, wenn wir nicht achtlos an einem Hilfesuchenden vorbeigehen. Sie fällt auf guten Boden, wenn wir sie beherzigen.

Oder wir nehmen die Stelle in der Bergpredigt, an der Jesus vom Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit, vom Sich-Sorgen-Machen und Schätzesammeln redet und dem die unendliche Freiheit gegenüberstellt, die der Glaube, das Sich-bei- Gott-geborgen-Wissen schenkt. Er erinnert uns daran, dass jeder Tag ein Geschenk ist, das wir aus Gottes Hand nehmen. Und das das Leben immer mehr ist, als Sich-Sorgen-Machen und Schätzesammeln. Quält euch nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat, sagt Jesus (Mt 6,34). Immer, wenn wir an diese Sätze denken, uns befreien können von Sorgen, die uns niederdrücken und belasten, wenn die Lebensfreude zurückkehrt - immer dann werden diese Sätze wahr, finden sie guten Boden bei uns.

Noch so viele andere Geschichten sind es, die Gottes Wort uns schenkt. Lebens- und Liebesgeschichten. Geschichten, die in unsere Herzen wollen. Die wahr werden wollen in unserem Leben. Denn dazu sind sie da, diese Geschichten. Sie wollen erlebt werden, wollen gespürt werden, sie wollen uns helfen, ein gutes, ein glückliches Leben zu führen. Sie sind die Saatkörner, die auf guten Boden fallen wollen und Frucht bringen wollen in unserem Leben.

Das Gleichnis vom Sämann erzählt auch von Hindernissen, auf die die Geschichten treffen. Nicht immer kommen sie dort an, wo sie hingehören - in unseren Herzen. Manchmal sind wir hart und festgetreten, wie der Weg in dem Gleichnis. Die Saatkörner, die Geschichten können sich nicht einnisten in uns. Sie prallen an uns ab. Vielleicht lassen wir sie auch abprallen. Die Vögel kommen, auch sie sind auf dem Bild zu sehen - fast im Sturzflug - und fressen sie auf. Oder der felsige Untergrund - auch ein großer Felsen ist auf dem Bild zu sehen: Manche Geschichten gehen uns zu Herzen in einer bestimmten Situation, sind aber nicht tief genug in uns, um sich im Alltag zu bewähren. Und das Unkraut - es ist ganz vorne links auf dem Bild. Viele Dinge beschäftigen uns viel mehr als die Geschichten, die Jesus uns geschenkt hat. Sie werden überwuchert, überwachsen von anderen Dingen, die uns wichtiger sind. So geht der Schatz, den wir in diesen Geschichten haben, manchmal verloren.

Aber - und das ist das schöne an dem Gleichnis und an dem Bild auf unserer Kanzel: All das, was auf guten Boden fällt, all das, was unsere Herzen, unser Innerstes erreicht - all das bringt Frucht in unserem Leben. Jede Geschichte, die wir verinnerlicht haben, hilft uns liebevoll mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen umzugehen. Und hilft uns so, Glück und Sinn für unser Leben zu finden.

Auch ein Weinstock ist auf unserem Bild zu sehen. Sogar ein sehr großer, auf der rechten Seite des Bildes. Man kann sich fragen, warum. Im Gleichnis kommt der doch gar nicht vor. Der Weinstock gehört zu Mörbisch, zum Mörbischer Wappen, zur Landschaft hier. Ich glaube, der Weinstock auf dem Bild soll uns daran erinnern, dass das Gleichnis vom Sämann hier bei uns wahr werden soll. Hier bei uns, in unseren Herzen, soll Gottes Wort, sollen die Liebes- und Lebensgeschichten auf gutes Land fallen. In unseren Herzen sollen sie aufgehen und Frucht bringen in unserem Leben.

Und über allem, und trotz mancher Wolken auf dem Bild: die Sonne. Was man aus der Ferne gar nicht sehen kann, haben wir herausgefunden, als wir das Bild für unseren Kirchenführer fotografiert haben: Die Sonne auf dem Bild hat ein lachendes Gesicht. Sie schickt ihre Strahlen, ihr Licht, ohne das nichts wachsen kann. Eine lachende, Licht und Wärme schenkende Sonne - sie zeigt uns, dass Gott uns seine Kraft, seinen Geist schenkt, damit sein Wort uns erreicht. Damit sein Wort in uns auf guten Boden fällt. Die lachende, Licht und Wärme schenkende Sonne zeigt uns auch die Freude Gottes darüber, dass diese Liebes- und Lebensgeschichten Frucht bringen in unserem Leben.

Wir sind Gott nicht egal. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er liebt uns. Und er freut sich darüber, wenn sein Wort in uns, auf fruchtbaren Boden fällt.                

Joachim Grössing, aus der Predigt zum Kirtag 2017


Psalm 73

 

Gott ist gut zu mir gewesen,

o ja,

hat mich geläutert.

Meine Füße gingen verkehrt,

ich war auf dem Weg in das Chaos:

Ich war voll Neid auf Schufte und Schänder,

auf ihre Wohlfahrt, ihre Bäuche.

Alle Sterblichen müssen sich quälen

– nur die nicht, 

Diamantenschnüre um den Hals,

vorquellenden Augen,

Mund weit auf,

voll Hasstiraden,

großmäulig bis zum Himmel,

Zunge, die die Erde vergiftet.

 

So kriechst du vor denen,

kungelst du mit.

Sie sagen: Der Allerhöchste, euer Gott, weiß nichts.

 

Ich prüfte mein Herz,versuchte nicht zu hassen.

Dachte: Da werde ich mittun – warum ihren Weg nicht gehen?

Doch dann verleugne ich, was ich bis jetzt gelebt habe,

und überlasse meine Kinder einem schleichenden Unheil.

 

So schwankte ich hin und her.

Dann plötzlich wurde es Licht,

und ich sah sie enden im Nichts,

sah sie verdunsten ins Leere.

 

Dumm war ich, grämlich, verbittert,

ein Untier war ich, ging dich an,

aber doch an dich angelehnt.

Mein Hand in deiner Rechten.

Du hast einen Plan, halt mich fest.

Ich weiß nicht wohin,

ich will keinen Himmel,

ich will die Erde.

Ich will, dass mein Herz sich hält

und dass du mein Fels bist auf ewig.

Weit weg von dir – das ist kein Leben.

Nah bei dir geht es mir gut.

 

nach der Übertragung von Huub Oosterhuis



Im Morgenlicht:

das Paul Gerhardt gewidmete Fenster

unserer Kirche.


Sprich Ja zu meinen Taten,

hilf selbst das Beste raten;

den Anfang, Mitt und Ende,

ach Herr, zum besten wende.


Mich segne, mich behüte,

mein Herz sei deine Hütte,

dein Wort sei meine Speise,

bis ich zum Himmel reise.


Evangelisches Gesangbuch 446/8-9